von Selma Mahlknecht

BESETZUNG: 8 D, 6 H
DEKORATION: wechselnde Schauplätze
DAUER: 120 Minuten
UA: 2019 Volksbühne Naturns, Südtirol

NATHANAEL
Mir kommt vor, das ist alles ein gigantischer Etikettenschwindel.

GUSTAV
Bub, merk dir eins: Schwindel oder nicht, Hauptsache Etikette.

NATHANAEL
Das verstehe ich jetzt nicht.

GUSTAV
Zertifikate! Diplome! Label! Lizenzen! Gütesiegel! 
DAS brauchen wir in der heutigen Welt! 
Je mehr, desto besser! Alles andere ist wurscht. 
Aber bevor du nicht irgendwo ein Etikett kleben hast, 
das sagt, was du bist, bist du nichts und niemand.

Der alpine Urlaubsort Sankt Prokulus hat alles, was Touristenherzen höherschlagen lässt: weitläufige Wanderwege, ein Skigebiet, Genussrestaurants, Wellnesshotels. Doch etwas fehlt noch zum vollkommenen Urlaubsglück. Darum planen Bürgermeisterin und Großhotelierin Dorothea Amonn und ihre umtriebige Tourismusreferentin Helen Hillebrand einen weiteren Attraktionspunkt: St. Prokulus soll einen See bekommen. Die visionäre Stararchitektin für dieses Großprojekt ist bereit engagiert. Es gibt nur eine winzige Schwierigkeit: Für den See muss das kleine Nachbardorf Froschbach geflutet werden. Einige beherzte Bürgerinnen und Bürger, denen der Tourismusrummel schon längst zu viel geworden ist, formieren sich zu einer Aktionsgruppe und versuchen mit allen Mitteln, die in ihren Augen wahnsinnigen Pläne zu vereiteln.

Wie Das (Serfauser) Erbe von Selma Mahlknecht besticht auch Ein See für St. Prokulus mit seinem interaktiven Ansatz: Das Stück beginnt und endet mit einer Gemeinderatssitzung, in der über den Bau des Sees entschieden wird. Das Publikum sitzt also mitten im Geschehen, während sich Szene um Szene die aktuellen Spannungsfelder um Tourismus, Ausbeutung der Natur, Verdrängung kleinerer Betriebe und die Macht des Marketing entwickeln.

Factsheet zu Ein See für St. Prokulus

Ansichtsexemplar für Theater

Weitere Stücke der Autorin: Das (Serfauser) Erbe